Dritter Brief von Livia an Tarquinia

Livia Portia an Tarquinia Portia, Baronin von Sarsina:

Wie in meinem vorherigen Brief angekündigt, hier einige Eindrücke, die ich von der nördlichen Kultur gewonnen habe. Wir werden im Frühling wieder auf Abenteuer ausziehen, jedoch im Tal von Parabor bleiben. Ich hinterlasse diesen Brief, sodass er verschickt wird, sobald der Pass wieder passierbar ist.

In meinem vorigen Brief hatte ich ja schon erwähnt, dass Olivenöl hier weitgehend unbekannt ist. Es liegt am Klima. Kein Olivenbaum würde den langen schneereichen Winter überstehen, weswegen man auf das Schweinefett ausweicht. Es wird viel Brot gegessen, auch viel Fleisch, wieder zumeist Schwein. Ich habe mich nach einigen unserer Delikatessen erkundigt, war aber nicht erfolgreich. Es gibt allerdings einge interessante Gerichte, deren Rezepte ich aufgeschrieben habe und dir schicken werde. Sobald das Öl und das Garum da sind, werde ich die Küche requirieren und etwas vernünftiges machen.

Man trägt, wieder aufgrund des Klimas, mehrere Schichten an Kleidung. Diese wird oft gefärbt oder in verschiedenen Mustern gewebt und mit Fibeln, Schnüren oder Knöpfen zusammengehalten. Ich habe ähnliche Kleidung für Bannon und mich gekauft. Mit nackten Beinen herumzulaufen wie zu Hause, würde dazu führen, dass uns etwas abfriert und Bannon zumindest braucht seins noch. Unsere Winterkleidung ist mit Wolle gefüttert und mit Pelzen verbrämt. Mir ist trotzdem kalt. Selbst die Pferde haben ein dichteres Fell. Sie sind auch größer als unsere.

In Silverdale regiert Argenta. Ich gehe davon aus, dass sie keine diplomatischen Beziehungen zu Scaurus Rex unterhält, zumindest nicht regelmäßig. Eine Reise von vier bis fünf Monaten erlaubt keine engen Beziehungen.

Sie hat jedoch eine ähnliche Hofhaltung wie Scaurus Rex, mit ähnlichen Fraktionen und ähnlichen Spannungen. Offenbar sind manche Dinge universell.

Das Tal Parabor ist nicht allzu groß, es kann in weniger als zwei Tagen durchquert werden. Es hat lediglich einen Pass, jedoch eine ordentliche Siedlung. Hier hatte Eladria Feywind ihr Anwesen, das Malena, Angkash und ein Zwerg namens Gorim, den ich noch nicht getroffen habe, geerbt haben. Sie haben das Anwesen zu einem Gasthaus umfunktioniert.

Ein Gasthaus, das ist so etwas wie eine Taverne, in der man auch Zimmer zum Schlafen mieten kann. So ein Zimmer kostet Geld. Bannon und ich haben relativ früh festgestellt, dass man hier im Norden das Hosptium, das Gastrecht, nicht kennt. Offenbar ist es hier keine Gotteslästerung, einen Gast zu erschlagen. In den Gasthäusern selbst wird wie in Tavernen gestritten, gekämpft und sogar getötet. Das macht das Reisen zu einer nicht ungefährlichen Angelegenheit, denn man hat keinen Gastfreund, der einen gegen alle schützen würde. Ich habe meine Tesserae Hospitales, meine Erkennungsmarken, also umsonst mitgenommen. Andrerseits ist es in Gasthäusern auch nicht notwendig, ein Gastgeschenk mitzubringen. Man bezahlt dort einfach mit Münzen.

Der Jahreswandel wird hier als Feier begangen. Man isst, trinkt und tanzt zu Musik. Trotz der durch den Winter eingeschränkten Auswahl an Nahrungsmitteln wird offenbar alles aufgetischt, was möglich ist. Allerdings wird der Wettkampf des Lux mit der Dunkelheit nicht ausgetragen. Seltsam, da winters die Nächte noch länger sind als in Sarsina und sommers die Tage desgleichen.

Hält Fannia noch die Stelle der Hohepriesterin im Lux-Tempel? Möglicherweise könntest du sie bitten, mir einen Brief zu schreiben, und mir mitzuteilen, ob sie weiß, warum der Wettkampf im Norden nicht stattfindet. Gut möglich, dass du mich für abergläubisch hältst – wer aus Sarsina wäre es nicht? –, aber ich bin mit Bannon nach draußen in das Tal gegangen und wir haben den Wettkampf ausgetragen. Bannon hat sich wacker geschlagen, aber der Ausgang war, wie er sein sollte und die Tage werden wieder länger werden. Zweifellos habt ihr in Sarsina ebenfalls einen Priester des Lux als seinen Avatar bestimmt und ihn den Wettkampf austragen lassen. Fannia vielleicht?

Wie dem auch sei, ich fühle mich wohler bei dem Gedanken, dass wir alles getan haben, um die lange Dunkelheit zu beenden. Wobei ich mich frage, was geschehen würde, wenn Lux einmal verlieren würde.

Soweit meine Eindrücke. Ich werde dir wieder schreiben, wenn wir zurückgekehrt sind.

Ave atque vale.

Livia.

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